Am Institut für Kunststofftechnik (IKT) untersuchen wir Schadensfälle umfassend und entwickeln auf Basis der individuellen Fragestellung einen geeigneten Untersuchungsansatz. Dabei verbinden wir unser Wissen aus Werkstofftechnik, Kunststoffverarbeitung und Produktentwicklung mit einem breiten Spektrum an zerstörenden und zerstörungsfreien Prüf- und Analysemethoden.
Die eingesetzten Verfahren sind dabei stets Mittel zum Zweck: Sie helfen uns, Schadensmechanismen zu verstehen, mögliche Ursachen einzugrenzen und die Untersuchungsergebnisse zu einem schlüssigen Gesamtbild des Schadensfalls zusammenzuführen. So können beispielsweise Materialeigenschaften, Verarbeitungsbedingungen, konstruktive Einflüsse oder äußere Belastungen als mögliche Ursachen bewertet und gegeneinander abgegrenzt werden.
Unser Ziel ist es, Schadensursachen wissenschaftlich fundiert, nachvollziehbar und praxisorientiert zu bestimmen und daraus Erkenntnisse für die Optimierung von Werkstoffen, Bauteilen und Herstellungsprozessen abzuleiten. Bei Bedarf erstellen wir auf Grundlage unserer Untersuchungen auch technische Gutachten.
Alle im Rahmen von Schadensanalysen gewonnenen Informationen, Untersuchungsergebnisse und projektspezifischen Daten werden vertraulich behandelt. Die Untersuchungen erfolgen in enger Abstimmung mit unseren Auftraggebern und unter Wahrung der vereinbarten Geheimhaltungsanforderungen.
Ausgewählte Schadensfälle
Am 16. Dezember 2022 zerbarst der AquaDom im Berliner Radisson Hotel plötzlich und vollständig. Der rund 16 Meter hohe und 11,5 Meter durchmessende Zylinder aus Acrylglas fasste etwa eine Million Liter Wasser. Zur Klärung der Schadensursache wurde Prof. Dr.-Ing. Christian Bonten, Leiter des Instituts für Kunststofftechnik (IKT), als Gutachter hinzugezogen.
Im Rahmen der umfangreichen Untersuchungen wurden verschiedene Schadenshypothesen geprüft und zahlreiche mögliche Ursachen ausgeschlossen. Eine eindeutige Einzelursache konnte aufgrund der komplexen Bruchsituation letztlich nicht zweifelsfrei festgestellt werden.
Der AquaDom zeigt eindrucksvoll, wie eine ganzheitliche Schadensanalyse in der Kunststofftechnik dazu beitragen kann, auch komplexe Schadensfälle wissenschaftlich fundiert zu untersuchen und mögliche Ursachen systematisch einzugrenzen.
Mehr zum Schadensfall:
Der Houseball, eine rund 30 Jahre alte Skulptur der Künstler Claes Oldenburg und Coosje van Bruggen, steht am Bethlehemkirchplatz in Berlin und war dort über Jahrzehnte Witterung und Umwelteinflüssen ausgesetzt. Im Hinblick auf die weitere Nutzung und einen geplanten Transport sollte der aktuelle Zustand der komplexen Sandwichstruktur aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) und Balsa-Schaum erfasst und die Belastbarkeit bewertet werden.
Das Institut für Kunststofftechnik (IKT) untersuchte die Skulptur mit zerstörungsfreien Prüfverfahren und werkstofftechnischen Analysen. Ergänzend wurde mittels Lasertracking ein digitaler Zwilling erstellt, der für die Bauteilsimulation und die anschließende ingenieurtechnische Bewertung verwendet wurde.
Die Untersuchungen ermöglichten eine fundierte Bewertung der Tragfähigkeit und zeigten, dass die ursprünglichen Hebepunkte für einen sicheren Transport nicht mehr geeignet sind. Der Houseball verdeutlicht damit, wie die Kombination aus zerstörungsfreier Prüfung, Werkstofftechnik und Bauteilsimulation auch bei komplexen und gealterten Kunststoffstrukturen sichere Entscheidungen ermöglicht.
Paul Friederich
stellvertretender Leiter Prüflabor und Technologietransfer/ Ausbilder/ stellv. Leitung Thermische Analyse
Nina Jung
Bachelor Professional in Technik (Chemietechnik)Stellv. Leiterin Prüflabor und Technologietransfer